5 Kameraeinstellung für instant bessere Fotos – nicht nur im Wald

Heute wird es etwas technisch. Aber keine Angst, ich versuche, es so unkompliziert wie nur möglich zu halten. Es ist ja wie beim Kochen, du kannst mit einem Messer und einem Topf alles zubereiten. Aber wenn du dein Handwerkszeug kennst und verstehst, wird es viel leichter. Und vor allem besser!

Hier lernst du, wie du mit einfachen Anpassungen im Kameramenü schon erheblich bessere Bilder machen kannst. Denn auch wenn moderne Kamera schon sehr viel können, Gedanken lesen gehört (zum Glück!) noch nicht dazu. Das bedeutet aber, dass du der Kamera durchaus sagen musst, was sie zu tun hat.

Ja, ich bin selber ein sehr großer Freund von Nachbearbeitung. Aber es sollte immer das Ziel sein, das Foto bestmöglich aufzunehmen und so wenig wie möglich nachbearbeiten zu müssen. Das erreichen wir aber nur mit den optimalen Kameraeinstellungen. Doch nicht immer ist die Zeit, alle Einstellungen an jedes Motiv optimal anzupassen. Aus diesem Grund erkläre ich dir, wie ich meine Kamera eingestellt habe, um in den meisten Situationen die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.

Doch bevor ich weiter auf die Einstellungen eingehe, erkläre ich dir kurz die verschiedenen Programme an deiner Kamera. Denn auch die sind wichtig für noch schönere Waldfotos.

Die wichtigsten Kameraprogramme kurz erklärt

Programmautomatik

P ist bei den meisten Herstellern die Programmautomatik. Die Kamera errechnet dir hier alles automatisch. Die Blende, Verschlusszeit und Iso gibt die Kamera vor. Du musst nur noch auf den Auslöser drücken. Der wesentliche Unterschied zum Modus „Auto“ (meistens als grüne Kamera dargestellt) ist aber, dass du bei Bedarf kleinere Änderungen vornehmen kannst. Dazu drehst du einfach am Rad, mit dem du die Einstellungen vornimmst.

Bei älteren Modellen war es wohl auch so, dass du in P auch in RAW aufnehmen konntest, im Automatikmodus ging das nicht. Heute kannst du in beiden Varianten in RAW fotografieren. Die Programmautomatik kannst du wählen, wenn du dir keine weiteren Gedanken über die Einstellungen machen willst. Für Schnappschüsse ist die Einstellung ganz OK, aber wenn du wirklich ambitioniert fotografieren willst, dann kannst du getrost vergessen, dass deine Kamera eine Programmautomatik besitzt.

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Aufgenommen in der Programmautomatik

Halbautomatische Programme

Mittlerweile hat jede Kamera auch halbautomatische Programme. Du gibst einen bestimmten Wert (Zeit oder Blende) vor und die Kamera berechnet das passende Äquivalent dazu. Meine Empfehlung für Anfänger ist, sich sofort mit den halbautomatischen Programmen zu befassen. Schon nach kurzer Zeit wirst du die Zusammenhänge zwischen Blende und Belichtungszeit verstehen und kannst dann problemlos auch in den manuellen Modus schalten.

Ich selber nutze aber zu rund 80-90% den halbautomatischen Modus. Bei meiner Canon 80d funktioniert das soweit sehr gut. Selten kommt es vor, dass ich mit einem Ergebnis nicht zufrieden bin. Dann schalte ich auch schon mal in M (manuell).

T/Tv/S: Blendenautomatik oder Zeitvorwahl

S bei Nikon und Tv (Time Value) bedeutet, dass du die Belichtungszeit vorgibst. Deine Kamera berechnet dann automatisch die passende Blende. Die Blendenautomatik benutzt du beispielweise dann, wenn du unbedingt eine lange oder kure Verschlusszeit benötigst. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn du einen Bach im Wald so aufnehmen willst, dass das Wasser „fließend“ aussieht. Oder aber wenn es sehr windig ist und du keine Bewegungsunschärfe im Motiv haben willst, also eine sehr kurze Verschlusszeit benötigst.

Das kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn du einen Bach fotografieren willst und das Wasser “weich” aussehen soll. Oder wenn es sehr windig ist und du Verwackelungen vermeiden willst und eine sehr kurze Auslösezeit verwenden willst.

A/Av: Zeitautomatik oder Blendenvorwahl

Die Zeitautomatik ist im Grunde genau das Gegenteil der Blendenautomatik. A steht übrigens für Aperture, also Öffnung. Im Modus A bzw Av bestimmst du, wie weit die Blende des Objektivs geöffnet wird und wie viel Licht auf die Linse fallen soll. Die Kamera berechnet dir dazu, wie lange es dauert, bis das Bild korrekt belichtet ist.

Über die Blendenöffnung bestimmst du, wie viel von deinem Bild scharf sein soll. Bei einer großen Blende (kleine Zahl!) fällt viel Licht ein, aber der Bereich, der scharf wird, ist relativ klein. Bei einer kleinen Blende (große Zahl) ist es genau umgekehrt.

Die Blende 2.8 wurde vorausgewählt, die Belichtungszeit von 1/6sec von der Kamera bestimmt

In der Landschaftsfotografie nutzt du meistens eine kleine Blende, um ausreichend Schärfentiefe zu bekommen. Die meisten Objektive sind bei einer Blende von 8 bis 11 am schärfsten. Das bedeutet aber nicht, dass du nicht auch einmal eine Blende 16 oder gar 22 verwenden kannst. Allerdings verlieren viele Objektive hier wieder an Abbildungsleistung. Möglicherweise gehen dir dann einige Details verloren. Schlimmstenfalls wirkt dein Bild „matschig“. Welche Blendenzahl bei dir die beste Leistung liefert, musst du für jedes Objektiv

M: Manueller Modus

Im „Manuellen Modus“ tut die Kamera genau das, was du ihr sagst. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn du ihr sagst, dass sie 1“ (Sekunde) bei Blende f2.8 belichten soll, dann tut sie es auch. Du bist der Herr über die Kamera und gibst alle Einstellungen vor.

Wann du M benutzt? Am besten immer. Nein, Spaß beiseite. Ich nutze den Manuellen Modus, wenn ich bei einbestimmten Blendenwahl eine bestimmte Belichtungsdauer haben will. Meine persönliche Meinung ist aber, dass man meistens mit AV oder TV in der Waldfotografie auskommt. Du siehst das anders? Dann schreibe mir doch dazu einen Kommentar, wieso du dieser Aussage nicht zustimmst.

Kameraeinstellungen – die Grundlagen

1. Begrenze den maximalen ISO-Wert

Wenn du den ISO-Wert deiner Kamera nicht begrenzt, wird sie in der ISO-Automatik den jeweils besten ISO wert auswählen. In der Woodland Fotografie hast du nur selten bewegte Motive. Von daher hast du in der Regel Zeit, den ISO-Wert passend einzustellen. In der Woodland Fotografie sollte er möglichst klein gehalten werden.

Manchmal aber willst du eine bestimmte Blende und eine bestimmte Zeitvorgabe einstellen. Das ist unter anderem dann der Fall, wenn du Vögel oder andere Waldtiere, die sich schnell bewegen, ablichten willst. Dann kann es notwendig sein, den ISO-Wert zu erhöhen. Entweder du stellst ihn manuell ein oder du lässt die Kamera den idealen ISO-Wert berechnen.

Jede Kamera hat ein anderes Rauschverhalten. Manche Modelle liefern noch bei ISO 3200 sehr gute Qualität, andere sind bei ISO 1000 schon überfordert und dein Bild wird verrauscht. Mit der Begrenzung auf den für deine Kamera noch akzeptablen ISO-Wert verhinderst du, dass du deine Bilder mit zu hohem Rauschen bekommst.

ISO 12800
Rauschreduzierung via Lightroom

2. Belichtungskorrektur anpassen

Je heller ein Bild aufgenommen wird, umso mehr Informationen beinhaltet es. Natürlich darf es nicht überleichtet sein, dann verkehrt sich der Effekt wieder ins Gegenteil. In den Modi AV und TV kannst du eine Belichtungskorrektur vornehmen.

Im Wald sollte deine Belichtungskorrektur immer etwa 1/3 bis 2/3 Blenden erhöht sein. Dadurch wird das Bild nochmal einen Tacken heller. Das kann am Ende über Erfolg und Misserfolg eines Bildes entscheiden. Im Modus M ist die Belichtungskorrektur nicht möglich. Hier regelst du die Belichtungszeit über die Belichtungsdauer.

Aber Achtung, es gibt auch Situationen, in denen du die Belichtungskorrektur besser verringerst. Wann? Lies dir dazu Renates Gastbeitrag durch und lerne, wie du Sonnenstrahlen am besten einfängst!

Pro-Tipp: Über die Manuelle Belichtungskorrektur kannst du eine etwas längere Belichtungszeit einstellen, ohne einen Graufilter zu benutzen. Diesen Effekt kannst du beispielsweise verwenden, um fließende Gewässer aufzunehmen.

Langzeitbelichtung ohne Filter dank Belichtungskorrektur

3. Weißabgleich

Natürlich kannst du den Weißabgleich in Lightroom jederzeit anpassen. Im Wald steht mein Weißabgleich aber auf „bewölkt“. Das führt meistens zu etwas wärmeren Farben. Alternativ lässt du ihn doch auf „automatisch“ stehen und korrigierst ihn während deiner Nachbearbeitung.

4. Autofokus-Betrieb auf One Shot

One Shot (bei Nikon: AF- Einzelautofokus) ist die ideale Einstellung für unbewegte Motive. Falls du nicht im Live-View Modus fotografierst, sondern durch den Sucher, ist das die beste Einstellung für deine Waldfotos.

5. Die beste Messmethode

Es gibt verschiedene Messmethoden, mit der die Kamera die Belichtung errechnet. Im Wald nutze ich meistens die Mehrfeldmessung. Dabei wird beinahe die gesamte Motivfläche erfasst und die ideale Belichtung berechnet.

6. Bildqualität

Ich fotografiere immer in RAW. Wenn du hinterher deine Bilder bearbeitest, gibt dir das die meisten Möglichkeiten. Auch wenn du heute deine Bilder nicht bearbeiten magst, du weißt nicht, wie es in der Zukunft aussieht. Deshalb ist meine Empfehlung, auf jeden Fall in RAW zu fotografieren. Falls du unsicher bist oder wenig Zeit zur Bearbeitung hast spricht aber nichts dagegen, deine Bilder zusätzlich auch JPEG aufzunehmen.

Mit diesen Kameraeinstellungen hast du die Grundlage gelegt, um in möglichst vielen Situationen gute Ergebnisse zu erzielen. Aber nicht vergessen, das hier ist kein eierlegende Wollmilchsau-Leitfaden! Es wird immer Situationen geben, wo du deine Einstellungen anpassen musst. Vieles kannst du aber auch im Nachgang über das Bildbearbeitungsprogramm deiner Wahl erreichen.

Das soll es an dieser Stelle gewesen sein. Bitte berichte mir von deinen Erfolgen mit den angepassten Kameraeinstellungen. Auf Instagram kannst du mich auch unter @woodlandphotography.de taggen.

Allzeit bestes Licht wünscht,

deine Tanja

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4 Kommentare

  1. Klasse Tipps, vielen Dank. In den Belichtungskorrektur-Modi habe ich bisher tatsächlich so gut wie nie fotografiert. Ich fotografiere besonders gern Tiere und Menschen und dabei viel ganz Manuell oder mit manueller Blende / Blendenvorwahl.
    Mein ISO ist eigtl. nie höher als 800, ich fotografiere aber auch selten nachts und habe so gut wie keine Erfahrung mit Rauschunterdrückung in der Retusche… 😀

    • Hallo Katharina, im manuellen Modus funktioniert die Belichtungskorrektur leider nicht. Sehr schade, dennn da könnte ich sie auch am meisten brauchen. ISO 800 ist schon gut, höher gehe ich auch nur ungern. Bei meiner 80d hat man dann schon gesehen, wie die Qualität zu leiden beginnt.

  2. Vielen Dank für diesen super informativen und interessanten Beitrag. Ich hab selbst eine SLR und hab mich irgendwie noch nie wirklich damit auseinander gesetzt weil ich es einfach nicht wirklich verstanden haben habe was es mit Blende usw. auf sich hat. Jetzt bin ich schlauer!

    Lg,
    Julia

  3. Hallo,

    es sind echt tolle Tipps dabei. Auch wenn ich mich damit noch nicht wirklich mit auseinandergesetzt habe. Aber ich sollte mal die Zeit nehmen. Ich merke das ich noch nicht so die Erfahrung habe. Dachte immer das Automatische Einstellung die beste wäre. Also sollte ich das mal ändern. Danke für deine Tipps. Liebe Grüße
    Julia von Cooking by Love


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