Der größte Fehler, den du machen kannst

Sonntag, mitten in der Nacht, 3 Uhr. Ich bin wach und fühle mich, als ob ich Bäume ausreißen könnte. Aber es ist mitten in der Nacht. Bis zum Sonnenaufgang sind es noch mehr als drei Stunden. Also gehe ich auf die Couch und lese ein wenig und plane meine Fototour. Es ist Nebel angekündigt, darauf warte ich schon ewig! Schlussendlich schlafe ich doch nochmal ein, bis mich um 5:30 der Wecker unsanft aus einem wirren Traum reißt.


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Ein Blick aus dem Fenster und ich bin wach. Nebel, schönster, dichter Nebel! Die Frage, ob ich nicht besser weiterschlafen soll, stellt sich gar nicht mehr. Meine Akkus sind geladen, die Speicherkarte ist geleert. Noch schnell etwas zu Essen und Trinken einpacken und dann kann es auch schon losgehen.

Durch dichten Nebel geht es den Berg rauf, von dort will ich mein erstes Foto machen. So ein Mist, mein Stativ steht noch zu Hause! Also wieder nach Hause, Stativ holen und wieder zurück. Was erst ärgerlich klingt, war ein riesen Glück. Das Licht war schon viel besser und diese wunderschönen Fotos sind entstanden.

Überall Nebel – nur nicht im Wald!

Ich habe entschieden, in Baltmannsweiler in den Wald zu gehen. Hier stehen viele alte Buchen und einige Eichen, die wunderschöne Fotomotive darstellen. Nur ein Problem gibt es: Es gibt keinen Nebel. Die Apfelbäume auf der Wiese neben dem Wanderparkplatz stehen in dichtem Nebel. Aber der Waldweg ist klar wie ein geschliffener Diamant. Keine Nebelschwade weit und breit.

Egal, ich entscheide mich dafür, ein wenig durch den Wald zu laufen. Es gibt viele Forstwirschaftswege und kleine Waldwege, die vom Hauptweg abgehen. Hier wird sich doch sicher ein schönes Fotomotiv finden lassen?

Naja, irgendwie nicht. Das Licht ist nicht schön, es gibt keinen Nebel, nicht einmal schöne Pilze sind zu sehen. Entweder abgefressen oder halb vergammelt. Das war wohl nichts. Etwas frustriert lege ich eine kleine Frühstückspause ein und entscheide, dass ich besser zu Auto zurück gehe und woanders hinfahre.

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Spoiler: Später gab es doch noch Nebel!

Waldfotografie – Beinahe hätte ich einen Fehler gemacht

Beinahe hätte ich den größten Fehler gemacht, den man in der Waldfotografie überhaupt machen kann. Neben Speicherkarte und Ersatzakku vergessen. Ich gehe nicht auf direktem Weg wieder zurück, sondern den Weg weiter, der mich zum Hauptweg führen wird. Was ein Glück! Denn nur kurz nach meiner Pause, wenige Meter weiter durch den Wald ist er da, der Nebel!

Zuerst noch zaghaft, ziehen schon bald immer dickere Nebelschwaden durch die Bäume und tauchen alles in ein mystisches Licht. Was bin ich froh, dass ich nicht sofort zurück bin, sondern eine Pause eingelegt habe und doch noch den etwas längeren Weg gegangen bin.

 

Auf dem Weg zum Hauptpfad finde ich dann wirklich schöne Motive. Diese alte Eiche hat es mir ganz besonders angetan. Stolz steht sie da, zwischen den Buchen. So als ob sie die Erinnerung an den König aufrechterhalten will. Ein geduldiges Model, das sich von mir ablichten lässt.

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Weiter geht es zu den Schlösslesseen, die ebenfalls im Nebel liegen. Auch hier gelingen mir einige wirklich schöne Aufnahmen. Ich bin froh, dass ich hier bin und den Nebel ausnutzen kann.

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Auf dem Rückweg, der über den kleinen Pfad zum König führt, ist leider kaum noch Nebel da. Der Pfad liegt etwas tiefer als der Hauptweg. Zum Glück wabern noch einige Wolken durch die höher gelegenen Bäume. Hier kam dann sogar noch etwas Sonne dazu, was zu wirklich schönen Aufnahmen geführt hat.

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Ein kleiner Baum hat meinen Blick gefesselt. Ich bin noch ein Stück näher ran, habe einige Bilder gemacht und dann eine zweite Frühstückspause eingelegt. Doch kaum habe ich mich auf dem alten Baumstumpf niedergelassen und etwas getrunken, sah ich ein Leuchten in meinen Augenwinkeln. Sofort bin ich aufgesprungen und habe die kurze Zeit genutzt, in der die Sonnenstrahlen durch den Nebel traten und das Bäumchen wie mit einem Scheinwerfer erleuchtet haben. Für solche Morgende lohnt sich das frühe Aufstehen dorch wirklich!

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Waldfotografie – Der größte Fehler, den du machen kannst

So, und was ist nun dieser Fehler von dem ich gesprochen habe? Der größte Fehler, den du machen kannst, ist kurzfristig deinen Plan umwerfen. Panisch von einem Ort zum anderen hetzen, weil du nicht sofort die Bedingungen vorfindest, die du dir erhofft hast. FOMO nennt man das, fear of missing out. Also Angst, etwas zu verpassen.

Aber das führt schlussendlich zu genau dem Gegenteil. Du wirst das beste verpassen, wenn du von einem Ort zum nächsten hetzt. Rein in den Wald, raus aus dem Wald, rein ins Auto, raus aus dem Auto, rein in den Wald und alles ist vorbei. 

 

Glaub mir, ich war da! Nicht heute, aber oft genug. Hier ist kein Nebel, keine Sonne, ich versuch es in dem Waldstück, das 20 Minuten entfernt liegt, drüben auf dem gegenüberliegenden Berg. Kaum dort angekommen, zog an meinem Ursprungsort schönster Nebel auf. Unzählige Male habe ich es schon erlebt.

Wenn du dich für ein Waldstück oder einen spezifischen Ort entschieden hast, dann bleibe dabei. Manchmal wird sich an den Bedingungen nichts mehr ändern, aber oft genug wird deine Geduld sich auszahlen.

Welche Fehler sind dir schon unterlaufen und welche findest du besonders gravierend? Berichte mir doch davon in einem Kommentar. Übrigens, wenn du meinen Newsletter abonnierst, bekommst du nicht nur Neuigkeiten von mir direkt in dein Postfach, du nimmst auch automatisch an meinen Gewinnspielen teil!

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Allzeit bestes Licht,

 

wünscht dir deine Tanja

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8 Kommentare

  1. Wow, da hat sich das frühe Aufstehen ja wirklich gelohnt! So tolle Bilder mit dem Nebel. Und da waren es ja wirklich glückliche Umstände, dass du noch lange genug im Wald geblieben bist, um den Nebel doch noch zu erwischen. Danke für den Tipp lieber am gewählten Ort auszuharren anstatt direkt zur nächsten Lokation zu hetzen. Muss ich mir merken!

    Viele Grüße,
    Diana

    • Naja, zum Glück ist das gaaaaanz frühe Aufstehen wieder rum, jetzt wird es ja wieder etwas später hell. 😉

  2. Mir ist zwar noch nie ein Fehler dieser Art unterlaufen, aber ich habe mich samt Töchterchen mal im Wald verlaufen! Weil wir einmal in ein unbekanntes Waldstück abgebogen waren und nicht aufgepasst hatten! Wie du siehst, haben wir wieder rausgefunden, aber damals, als sie noch klein war, war das beängstigend!

    Ich finde gut, dass du für schöne Fotomotive auch mal zu unmenschlichen Zeiten aus dem Bett springst, hochmotiviert! Ich selbst kriege um diese Uhrzeit bestimmt kein Auge auf, geschweige würde ich dann durch den Wald spazieren wollen! Aber wie man sieht, lohnt es sich! Der Nebel zaubert wunderschöne, mystische Bilder! Und man sieht schon, es wird Herbst!

    Liebe Grüße
    Jana

    • Ja, solche Fehler passieren auch eher, wenn man bewusst an einen Ort geht, und dann nicht sofort die Bedingungen vorfindet, die man erwartet. Verirrt hatte ich mich auch etwas, aber es hat sich gelohnt. Aber da wo ich laufe, sind fast keine Menschen. Wenn es dann knackt im UNterholz, suche ich auch den nächsten Baumstamm, den ich erklimmen könnte, sollten dort Wildschweine rumrennen. 😉

  3. Liebe Tanja,
    wow, ich bewundere deinen Einsatz für tolle Bilder. Andererseits klingt es aber auch nach einem wunderbaren Vormittag, mit Zeit für Fotografie und Frühstückspausen im Wald. Wie gut, dass du die erste Pause eingelegt hast und den Nebel nicht um ein Haar verpasst hast. Die bemooste Eiche ist wirklich beeindruckend – die Motive gefallen mir wirklich sehr.
    Herzliche Grüße
    Anja von STADT LAND WELTentdecker

  4. Schöne Nebelbilder. Am besten gefällt mir das Titelbild. Der Baum hat so was mystisches. Wenn jetzt gleich Mirakulix vom Ast fällt – ich wäre nicht erstaunt. Mein Tipp: Versuche mal vom Baumstamm nach oben zu fotografieren. Ob das mit dem Nebel dann klappt weiß ich nicht. Aber ist eine geniale Einstellung. Der Stamm wirkt wie eine Leitlinie bis zur Baumkrone. LG Marion

  5. Das Foto mit den bemoosten Baumstämmen ist ein Traum!
    LG
    Sabiene

    • Jaaaa, das ist auch mein LIeblingsfoto aus diesem Jahr!


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